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Mitteldeutsche Zeitung vom 30.12.2006 (Silvesterausgabe)*

Zeitalter des Wassermanns

Der Wolfener Astrologe Falko Barth sieht sich als moderner Mönch und Lebensberater

von Bärbel Helbig

Wolfen/MZ. Ein Sterndeuter sollte schon wissen, was uns 2007 so erwartet. Doch das, was dieser Tage in Zeitungen und Zeitschriften als Jahreshoroskop über Liebe und Glück, Gesundheit und Geld verkündet wird, ist Falko Barths Sache nicht. "Was konkret passiert, kann man nicht sagen", stellt der Wolfener Astrologe nüchtern fest.

Für ihn ist neben Sonne und Mond der Lauf des Saturns das Entscheidende. Und dafür ist ein Jahr ein ziemlich kurzer Zeitraum. Barth denkt nämlich in größeren Dimensionen. In Jahrzehnten und Jahrhunderten, in Zeitaltern, die 360 Jahre dauern und zwölf Saturn-Umläufen um die Sonne entsprechen. "Wir leben im Wassermannzeitalter, das zur Bewußtwerdung des Menschen führt", erklärt er. Das Wassermannzeitalter habe 1962 begonnen - wie 1249 das Schütze- und 1606 das Steinbockzeitalter.

Der geborene Wolfener, der nach Abitur und Armeedienst Kybernetik und Metallverarbeitung studiert hat ("was beides nicht meine Sache war"), beschäftigt sich seit 1998 mit astrologischen Theorien. Am Anfang stand die "Einsicht, daß der Saturn für das Prinzip Zeit steht". So sei er auch zur Beschäftigung mit Mythologie und geschichtlichen Zusammenhängen gekommen - obwohl er sich in der Schule überhaupt nicht für Geschichte interessiert hat. Barth hat sich auch schon an die Öffentlichkeit gewandt. So hat ihn überrascht, daß im Januar 30 Leute zu seinem Vortrag im Bürgerverein Altstadt-Süd über die Himmelsscheibe von Nebra gekommen sind, auch seine Geschichtslehrerin.

Der 39-Jährige, der mit seinen Eltern in Wolfen lebt, will nach dem ersten Kurs in der Volkshochschule im vergangenen Jahr 2007 einen weiteren Astrologie-Kurs anbieten. Wenn sich ausreichend Interessenten finden, die etwas über Astrologiegeschichte, die Tierkreiszeichen, das Geburtsbild, den Kreislauf des menschlichen Lebens, die Zeitqualität und das Mondwissen erfahren wollen. Seine Auffassungen über die Tierkreiszeichen, die er das Abc und Einmaleins nennt, gibt er auch im Internet und in Vorträgen weiter. Zuhörer sind vor allem Frauen, die auch seinen Stand auf der diesjährigen Hobbymesse im Kulturhaus Wolfen belagert haben.

Die Astrologie sieht Barth als Mittel der Selbsterkenntnis und Selbsterfahrung. Deshalb bezeichnet er sich nicht nur als Autor und Astrologielehrer, sondern auch als Lebensberater. "Viele setzen Astrologie mit Horoskopen gleich", stellt er fest. Zeitungshoroskope bezeichnet er als "Trivialastrologie", die der Unterhaltung dient. Der Astrologiekundige könne vielmehr etwas über die Qualität der Zeit sagen. Prognosen treten in den Hintergrund, weil sie gar nicht der Sinn astrologischer Aussagen seien, betont er. Und: "Die Astrologie nimmt den Menschen nicht die Entscheidung ab."

Barth will deshalb lediglich ein Angebot machen, das jeder für sich überprüfen müsse. Wie er das selbst getan hat. Aus Hunderten von Büchern habe er nur ganz wenig verinnerlicht, es später durch eigene Beobachtungen bestätigt und in seinen Alltag einfließen lassen. So hat er auch zu sich gefunden, wie er sagt. Nach drei Versuchen in Studium und Beruf fand er in den 90er Jahren zur Esoterik. Was sich dadurch für ihn verändert hat? "Man wird ruhiger, läßt einige wenige Dinge auf sich wirken und blendet alles andere aus." Das Treiben anderer Menschen betrachte er gelassen, verinnerliche wesentliche Dinge. "Ich bin ein moderner Mönch", sagt er.

Der Lebensberatung widmet sich Barth, um Einsichten für ein selbständiges, selbstbewußtes Leben zu vermitteln. Er mache Angebote, führe die Menschen behutsam hin. Es sei aber zu beobachten, daß sich viele Ratsuchende zu sehr an den Berater klammern. Woraus er schließt, daß es einen großen Orientierungsbedarf gebe.

Für seine Vorausschau für 2007 schaut Falko Barth zum Saturn. Der Planet umkreist die Sonne einmal in 30 Jahren und bleibt dabei zwei bis zweieinhalb Jahre in einem Tierkreiszeichen. Der Saturn ist schon seit einem Jahr im Löwen, der als vital und kraftstrotzend gilt, der Licht zum Leuchten bringt, sagt Barth. Im Herbst 2007 wechselt der Saturn vom Löwen in die Jungfrau. Dann werde Bilanz gezogen, nüchtern analysiert, zweifelnd hinterfragt. Ja, so werde es kommen.

*Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Mitteldeutschen Zeitung, Lokalredaktion Bitterfeld-Wolfen, leicht überarbeitete Ausgabe

 

 

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